Transfergesellschaft oder Abfindung – was ist besser für mich?
Wenn Stellen abgebaut werden, stehen viele vor der gleichen Wahl: in die Transfergesellschaft wechseln oder lieber eine Abfindung nehmen und selbst schauen? Beide Optionen haben echte Vor- und Nachteile – und welche besser ist, hängt von deiner Situation ab.
Erst verstehen, was du eigentlich vergleichst
Eine Transfergesellschaft ist kein Sozialplan-Bonus und keine Abfindung in anderem Gewand. Es ist eine eigenständige GmbH, in die du für eine begrenzte Zeit wechselst – mit dem Ziel, dich aktiv neu zu orientieren. Du bekommst Transferkurzarbeitergeld (T-KUG), Coaching, Weiterbildung und Bewerbungshilfe.
Eine Abfindung dagegen ist eine einmalige Geldzahlung. Du verlässt das Unternehmen, meldest dich arbeitslos – und bist auf dich gestellt.
🏭 Transfergesellschaft
- Laufendes Einkommen (T-KUG, ca. 60–67 % des Netto)
- Sozialversicherung läuft weiter
- Weiterbildung & Coaching inklusive
- Keine Sperrzeit beim ALG I
- Struktur & Begleitung beim Neustart
- Laufzeit meist 6–12 Monate (gesetzl. max. 12 Monate)
💰 Abfindung
- Einmalzahlung sofort verfügbar
- Volle Flexibilität was du danach tust
- Kann steuerbegünstigt sein (Fünftelregelung)
- Kein Coaching oder Weiterbildung
- Sperrzeit beim ALG I möglich
- Rentenansprüche können sinken
Wann ist die Transfergesellschaft die bessere Wahl?
Die Transfergesellschaft lohnt sich besonders wenn du noch nicht weißt wohin du willst. Sie gibt dir Zeit, Struktur und Geld – ohne dass du sofort einen neuen Job gefunden haben musst.
Konkret sinnvoll wenn:
- Du älter als 50 bist und weißt dass die Jobsuche länger dauern wird
- Du dich umorientieren oder neu qualifizieren möchtest
- Du dir kein langes ALG-I-Verfahren leisten kannst oder willst
- Die angebotene Laufzeit lang genug ist (mindestens 12 Monate)
- Der Träger der Transfergesellschaft seriös und gut ausgestattet ist
In der Transfergesellschaft kannst du parallel einen Bildungsgutschein oder AVGS beantragen – das erhöht deine Chancen erheblich und wird von vielen nicht genutzt.
Wann ist die Abfindung die bessere Wahl?
Die Abfindung ist sinnvoll wenn du bereits weißt was du als nächstes tust – oder wenn du das Geld konkret brauchst bzw. einsetzen kannst.
Konkret sinnvoll wenn:
- Du bereits einen neuen Job in Aussicht hast
- Du dich selbstständig machen willst (Gründungszuschuss beachten)
- Die Abfindungssumme hoch genug ist um eine Lücke zu überbrücken
- Die Transfergesellschaft von schlechter Qualität ist
- Du bereits kurz vor der Rente stehst
Wenn du einen Aufhebungsvertrag unterschreibst um eine Abfindung zu bekommen, droht eine Sperrzeit von 12 Wochen beim Arbeitslosengeld. In dieser Zeit bekommst du kein ALG I – ein teures Risiko. Mehr dazu: Abfindung & Arbeitslosengeld – Ruhensfrist erklärt →
Kann man beides bekommen?
Ja – und das ist öfter möglich als viele denken. In vielen Sozialplänen ist eine Kombination vorgesehen: eine reduzierte Abfindung plus Eintritt in die Transfergesellschaft. Das ist oft die beste aller Welten.
Lass dich dabei vom Betriebsrat beraten – er kennt die Verhandlungsspielräume im Sozialplan und kann dir sagen was möglich ist.
Die wichtigste Frage: Wie gut ist die Transfergesellschaft?
Nicht jede Transfergesellschaft ist gleich gut. Es gibt erhebliche Qualitätsunterschiede – von exzellenter Begleitung bis hin zu reinen "Parkplatz-Lösungen" wo du 12 Monate lang nichts Sinnvolles tust. Schau dir vorher an worauf es beim Vergleich ankommt.
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