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Teilqualifizierung – Berufsabschluss Schritt für Schritt

Auf einen Blick

↓ TQ oder Umschulung? Der Unterschied entscheidet über zwei Jahre deines Lebens

Teilqualifizierung ist der modulare Weg zum Berufsabschluss für Erwachsene ohne anerkannte Ausbildung. Statt zwei Jahre am Stück umzuschulen, absolvierst du einzelne Bausteine – und kannst nach jedem Modul schon auf dem Arbeitsmarkt punkten. Am Ende wartet die Externenprüfung bei der Kammer.

Was ist Teilqualifizierung?

Eine Teilqualifizierung (TQ) zerlegt einen anerkannten Ausbildungsberuf in einzelne, aufeinander aufbauende Module. Jedes Modul deckt einen abgeschlossenen Teilbereich des Berufs ab – von Lagerlogistik über Fachinformatik bis zum Einzelhandel. Die Module sind inhaltlich so konzipiert, dass sie in sich geschlossen und am Arbeitsmarkt verwertbar sind: wer zwei Module Lagerlogistik hat, kann damit sofort eingestellt werden.

Träger des TQ-Programms sind AZAV-zertifizierte Bildungsanbieter. Die Bundesagentur für Arbeit finanziert die Module über den Bildungsgutschein.

TQ, Umschulung oder direkte Externenprüfung – was passt zu dir?

SituationEmpfehlungWarum
Kein Berufsabschluss, genug Zeit, klares BerufszielUmschulungStrukturierter 2-Jahres-Weg, höchste Förderquote
Kein Abschluss, aber familiäre oder zeitliche EinschränkungenTeilqualifizierungFlexibel, Modul für Modul, pausierbar zwischen Modulen
Langjährige Berufserfahrung ohne Zeugnis im WunschberufExternenprüfung direktKein Kurs nötig – direkt zur IHK-Prüfung anmelden
Fachfremder Abschluss, Quereinstieg in neues BerufsfeldTeilqualifizierungGezielte Lücken schließen, bestehende Kenntnisse anerkannt
Wenn du unsicher bist: Frage bei der Agentur für Arbeit explizit nach dem Unterschied zwischen TQ und Umschulung. Viele Berater nennen TQ nicht von sich aus – du musst danach fragen.

Aufbau: So sind TQ-Module strukturiert

Jeder Beruf im TQ-Programm hat typischerweise 5–8 Module. Ein Modul dauert je nach Beruf und Träger 2–6 Monate. Die Gesamtdauer aller Module entspricht ca. zwei Dritteln einer regulären Ausbildung – deckt aber 100 % der Berufskompetenzen ab.

Tipp

Das IHK-Zertifikat nach jedem Modul ist kein Berufsabschluss, aber ein anerkanntes Dokument das Bewerbungen stärkt – viele Arbeitgeber schätzen es genauso wie Zeugnisse aus regulären Ausbildungen.

Förderung: Was wird bezahlt?

FörderleistungBetrag / BedingungRechtsgrundlage
Kurskostenbis zu 100 % über Bildungsgutschein§ 81 SGB III
Weiterbildungsgeld150 €/Monat (nur für Arbeitslose)§ 87a SGB III
Weiterbildungsprämie Zwischenprüfung1.000 € (einmalig)§ 87a SGB III
Weiterbildungsprämie Abschlussprüfung1.500 € (einmalig)§ 87a SGB III
Fahrtkostenje nach Einzelfall§ 83 SGB III

Wichtig: Seit 1. Januar 2025 stellt die Agentur für Arbeit den Bildungsgutschein aus – auch wenn du beim Jobcenter (SGB II) gemeldet bist. Das Weiterbildungsgeld und die Prämien gelten aber nur für Personen die ALG I beziehen oder beschäftigt sind. SGB-II-Leistungsberechtigte erhalten das Weiterbildungsgeld unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls – im Einzelfall bei der Agentur klären.

Schritt für Schritt: Von der Erstberatung zur Externenprüfung

  1. 1

    Berufsfeld und Träger klären

    Überlege welchen Beruf du anstrebst. Nicht jeder Ausbildungsberuf hat ein TQ-Programm – gut abgedeckt sind z. B. Lagerlogistik, Fachinformatiker/-in, Einzelhandelskauffrau/-mann, Fachkraft im Gastgewerbe, Maler/-in. Suche auf mein-now.de nach AZAV-zertifizierten Trägern mit dem Stichwort „Teilqualifizierung" und setze den Filter „Bildungsgutschein".

    Wenn du keinen Träger in deiner Region findest: Viele TQ-Programme gibt es auch online oder hybrid. Bundesweit suchen, Format „Online" aktivieren.
  2. 2

    Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit

    Schildere deine Situation: kein oder fachfremder Abschluss, Interesse an TQ. Nützliche Phrasen fürs Gespräch:

    • „Ich interessiere mich für eine Teilqualifizierung nach § 81 SGB III – bin ich förderfähig?"
    • „Ich habe bereits einen Träger mit AZAV-Zertifizierung gefunden, der TQ anbietet."
    • „Ich möchte den Bildungsgutschein für das erste Modul beantragen."

    Tipp

    Frage auch nach der Weiterbildungsprämie (1.000 € / 1.500 €) und dem Weiterbildungsgeld (150 €/Monat) – die Agentur erwähnt diese nicht immer automatisch.

  3. 3

    Erstes Modul absolvieren – Kammer-Zertifikat sichern

    Die Kombination aus Theorie beim Träger und betrieblicher Praxis (mind. 25 % der Modulzeit) ist verpflichtend. Am Ende jedes Moduls prüft die IHK oder HWK deine Kompetenzen und stellt ein Zertifikat aus.

    Wenn du ein Modul nicht bestehst: Du kannst es wiederholen. Der Bildungsgutschein für das Folge-Modul wird erst nach erfolgreichem Abschluss des aktuellen Moduls ausgestellt.
  4. 4

    Folgemodule Schritt für Schritt beantragen

    Nach jedem Modul beantragst du bei der Agentur für Arbeit den Bildungsgutschein für das nächste. Zeige das Kammer-Zertifikat vor – das belegt die Notwendigkeit und beschleunigt die Ausstellung. Zwischen den Modulen kannst du auch arbeiten – das schmälert den Anspruch nicht automatisch.

  5. 5

    Externenprüfung bei IHK oder HWK – vollwertiger Abschluss

    Nach allen Modulen kannst du die Externenprüfung nach § 45 BBiG bei der zuständigen Kammer beantragen. Diese Prüfung ist identisch mit der regulären Abschlussprüfung. Bei Bestehen erhältst du den staatlich anerkannten Berufsabschluss – gleichwertig mit einer klassischen Ausbildung.

    Gut zu wissen: Auf dem Abschlusszeugnis der IHK/HWK steht nicht wie du den Abschluss erworben hast. Für Arbeitgeber ist das Ergebnis identisch mit einer regulären Berufsausbildung.

Häufige Fehler bei der Teilqualifizierung

  1. Falschen Träger gewählt – nicht jeder Anbieter der „TQ" bewirbt hat eine AZAV-Zertifizierung. Immer das AZAV-Siegel prüfen, bevor du einen Kurs anfängst. Ohne AZAV kein Bildungsgutschein.
  2. Bildungsgutschein zu spät beantragt – der Gutschein muss ausgestellt sein, bevor du die Maßnahme startest. Wer zuerst anfängt und dann den Gutschein beantragt, geht leer aus.
  3. Betrieblichen Anteil unterschätzt – TQ ist kein reiner Schulungskurs. Mind. 25 % der Modulzeit musst du in einem Betrieb verbringen. Kläre das vor Beginn mit dem Träger.
  4. Nicht nach Weiterbildungsprämie gefragt – die 1.000 € Prämie nach der Zwischenprüfung muss beantragt werden. Sie kommt nicht automatisch.
Was ist der Unterschied zwischen Teilqualifizierung und Umschulung?

Eine Umschulung ist eine vollständige Neuausbildung in einem anderen Beruf (typischerweise 2 Jahre, gefördert durch Bildungsgutschein). Eine Teilqualifizierung ist modular aufgebaut: du absolvierst 5–8 Bausteine des gleichen Berufs in Einzelschritten. Die TQ eignet sich wenn du nicht 2 Jahre am Stück weiterbilden kannst – trotzdem erreichst du am Ende den vollwertigen Abschluss über die Externenprüfung.

Wer bezahlt die Teilqualifizierung?

Die Kurskosten werden in der Regel vollständig über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit übernommen (§ 81 SGB III). Arbeitslose erhalten zusätzlich Weiterbildungsgeld von 150 € pro Monat (§ 87a SGB III). Nach bestandener Zwischenprüfung gibt es eine Weiterbildungsprämie von 1.000 €, nach der Abschlussprüfung 1.500 €.

Kann ich nach einzelnen Modulen aufhören?

Ja. Jedes Modul ist „in sich geschlossen und am Arbeitsmarkt verwertbar" – du erhältst nach jedem Modul ein Kammer-Zertifikat. Einen vollwertigen Berufsabschluss erreichst du aber erst nach allen Modulen plus Externenprüfung.

Gilt der TQ-Abschluss genauso viel wie eine normale Ausbildung?

Ja. Die Externenprüfung nach § 45 BBiG führt zum vollwertigen staatlich anerkannten Berufsabschluss – identisch mit einem regulären Ausbildungsabschluss. Auf dem Zeugnis der IHK/HWK steht kein Hinweis auf den TQ-Weg.

Rechtsgrundlagen

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Sven Schultz – Herausgeber transfermonitor.de
Sven Schultz
Herausgeber & Chefredakteur  ·  LinkedIn

Erfahrung in beruflicher Qualifizierung und Arbeitsmarktförderung. Zusammenarbeit mit Reha-Kostenträgern (Deutsche Rentenversicherung, Krankenkassen), Aufbau von Qualifizierungsprozessen für KMU, seit 2025 im FbW- und AVGS-System tätig. Regional vernetzt mit Agenturen für Arbeit und Jobcentern in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Mehr über die Redaktion →

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